Einst hat Franz Josef Strauß die diplomatische Bedeutung von Österreich gegenüber Deutschland wie folgt beschrieben: “Sollten die Österreicher einmal Bayern angreifen, dann werde sich die Passauer Stadtfeuerwehr darum kümmern.” So wusste Österreiche ziemlich genau, welche Bedeutung es für Franz Josef Strauß hatte.

Bereits ein paar Jahre später wäre der Satz von Strauß wieder passend gewesen, nämlich als es um die Öffnung der DDR-Grenze und die Vereinigung von Deutschland ging. Flüchtlinge auffangen, Decken verteilen und Begrüßungsgeld auszahlen, das musste getan werden, aber musste das gleich das ganze Bayernland erschüttern? Man begrüßte die DDR-Bürger noch freundlich, als sie ihren ersten Kurzausflug nach München machten, einmal Hofbräuhaus und zurück, dann aber wollte man wieder seine geheiligte Ruhe. Diese Aufgaben hätte eigentlich auch von der Passauer Stadtfeuerwehr erledigt werden können, aus Sicht der Münchener.

Wenig später bereits ging es darum, welche Stadt die deutsche Hauptstadt wird. Der damalige Ministerpräsident Max Streibl schlug Augsburg, Regensburg und Nürnberg vor – übrigens alle drei alte Reichsstädte. Eine Hauptstadt Berlin? Davon konnte in Bayern nicht die Rede sein!

Das tragen die Bayern den Ostdeutschen bis heute nach, nur wenige fahren nach Nordosten. Zwar kennen sie rund den Gardasee oder vom Trienter Hinterland jeden Winkel, nicht aber die hellen Strände an der Saale. Die Bayern sind stolz, jeden Gipfel der Alpen erklommen zu haben, doch die Sächsische Schweiz verhöhnen sie. Die Bayern meinen falscherweise, dass der Osten grau und öde sei, weil viele Menschen von dort die Flucht angetreten haben und in Bayern wohnen.

Schade, bedeutet Weltläufigkeit doch nicht, sich nur in New York oder Paris auszukennen. Weltläufigkeit heißt, eine Reise in die Barockstadt Görlitz zu machen und die Parklandschaft von Wörlitz, die übrigens Weltkulturerbe ist, zu besuchen. Der Englische Garten in München ist hier im Vergleich alles andere als einmalig und besonders. Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass es nicht funktioniert, die Vereinigung bis heute der Passauer Stadtfeuerwehr zu überlassen, ein jeder selbst sollte hier die Möglichkeiten nutzen und sein eigenes Heimatland erforschen um dann stolz darüber im ausländischen Urlaub, beispielsweise während eines Tischtennis Spiels am Gardasee, mit anderen Touristen oder den Italienern zu reden.

Dieser Beitrag wurde angeregt durch den Artikel von Annette Ramelsberger auf sueddeutsche.de.

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